Gedanken zum Wochenabschnitt (15.1.2022)

Entdecke die Gedanken zum aktuellen Wochenabschnitt von Rabbiner Jaron Engelmayer!
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In jüdischen Gemeinden der ganzen Welt ist es üblich, während der Gottesdienste am Montag, Donnerstag und Samstag den wöchentlicher Tora-Abschnitt zu lesen, den Paraschat HaSchawua (hebräisch: פָּרָשַׁת הַשָּׁבוּעַ), (kurz Parascha). Der Name des Abschnitts ist das erste Wort des Verses. Der Parascha besteht aus einem bestimmten Abschnitt der Tora (Fünf Bücher Mose), der in der jüdischen Liturgie während einer bestimmten Woche verwendet wird. Es gibt 54 Parascha, der gesamte Zyklus wird im Laufe eines jüdischen Jahres gelesen, beginnend mit dem Fest Simchat-Torah, an welchem das Ende und auch gleich wieder der Anfang der Heiligen Schrift gelesen wird. Auf diese Weise kommt die Lesung nie zu einem Ende. Der Parasha inkludiert auch einen Abschnitt aus dem Prophethen (Nevi’im), eine thematisch oft ähnliche Lesung (genannt Haftara).

Schabbat Beschalach – Schabbat Schira 5782

13. Schwat 5782 – 15.01.2022

Tora Lesung: Beschalach: Exodus 13,17 – 17,16

Haftara: Richter 4,4 – 5,31

Gedanken zum Wochenabschnitt 

Was ist wichtiger: Auf G“tt zu vertrauen oder zu handeln? Und stehen die beiden in einem Gegensatz? Ist das eine gegenüber dem anderen zu bevorzugen? In unserem Wochenabschnitt wird das Volk Israel Zeuge des vielleicht größten und bekanntesten Wunders, das G“tt zu seiner Rettung vollbringt: die Spaltung des Schilfmeeres. Gerade diese Situation sollte auf außerordentliches Vertrauen auf G“tt aufbauen und dieses bestärken – könnte man meinen… Doch spricht die Torah gerade da durchaus überraschend eine andere Sprache:

  • (2. Buch Moses 14, 15) “Und der Ewige sprach zu Mosche: Was schreist du zu Mir? Rede zu den Kindern Jisrael und sie sollen ziehen!” Klar und deutlich weist G“tt Mosche darauf hin: Die Zeit zum Beten ist vorbei, nun ist es an der Zeit zu handeln! Beten allein genügt nicht, denn: Hilfst du dir nicht selber, so hilft dir auch G”tt nicht. (Akedat Jizchak Einleitung Paraschat Wajischlach)
  • (Dort 14) „ה‘ ילחם לכם ואתם תחרשון“ – “Der Ewige wird für euch kämpfen, ihr aber schweigt!” Diese Anweisung Mosches an das Volk scheint jedoch genau die gegenteilige Ansage zu enthalten. Vielleicht wurde Mosche auch genau deshalb von G“tt mit dem folgenden obigen Satz gerügt (s. Or Hachaim Hakadosch zur Stelle). Der Satz hier lässt sich jedoch mit versteckten Hinweisen auch anders lesen: “Der Ewige wird euch Brot geben,“ (ילחם – vom Wort לחם: Brot,) „ihr aber müsst pflügen!“ (תחרשון – vom Wort חרישה: Pflügen)
  • (Dort 22) “Und das Wasser war ihnen eine Mauer.” Sieben Verse später finden wir fast dieselben Worte, mit dem Unterschied, dass das Wort ‚חומה‘ (Mauer) ohne ‚ו‘ geschrieben steht. Der Midrasch (אוצר מדרשים, קצד‘, „כל יריחו“) deutet daraus, dass das Wasser ihnen zum Zorne (=חמה) war! Der erste Vers, wo das Wort Mauer noch voll geschrieben steht, beschreibt diejenigen, welche mit G”ttesvertrauen ins Meer hineingingen, bis es sich spaltete. Deshalb heißt es an dieser Stelle: „Und sie kamen ins Meer, in die Trockenheit“ (dort 22) – ihnen war das Wasser zu festen Mauern! Der zweite Vers bezieht sich auf jene, welche zunächst zögerten und abwarteten, denn ihnen fehlte das Vertrauen. Bei ihnen heißt es: „Und sie gingen in die Trockenheit ins Meer“ (dort 29), denn sie warteten, bis das Meer gespalten war, erst dann begingen sie die Trockenheit in Sicherheit; ihnen war das Wasser zum Zorne (חמה), denn nicht durch eigenen Verdienst wurden diese gerettet!


Fazit: “Handle mit G”ttesvertrauen, aber handle!”         

Rabbiner Jaron Engelmayer