Gedanken zum Wochenabschnitt (Freitag 04.06.2021)

Entdecke die Gedanken zum aktuellen Wochenabschnitt von Rabbiner Jaron Engelmayer!
CC BY-SA 3.0
Geschreven door:
Teile diesen Beitrag:
Share on facebook
Share on whatsapp
Share on email
Share on twitter
Auch interessant:

In jüdischen Gemeinden der ganzen Welt ist es üblich, während der Gottesdienste am Montag, Donnerstag und Samstag den wöchentlicher Tora-Abschnitt zu lesen, den Paraschat HaSchawua (hebräisch: פָּרָשַׁת הַשָּׁבוּעַ), (kurz Parascha). Der Name des Abschnitts ist das erste Wort des Verses. Der Parascha besteht aus einem bestimmten Abschnitt der Tora (Fünf Bücher Mose), der in der jüdischen Liturgie während einer bestimmten Woche verwendet wird. Es gibt 54 Parascha, der gesamte Zyklus wird im Laufe eines jüdischen Jahres gelesen, beginnend mit dem Fest Simchat-Torah, an welchem das Ende und auch gleich wieder der Anfang der Heiligen Schrift gelesen wird. Auf diese Weise kommt die Lesung nie zu einem Ende. Der Parasha inkludiert auch einen Abschnitt aus dem Prophethen (Nevi’im), eine thematisch oft ähnliche Lesung (genannt Haftara).

Wochenabschnitt Schlach
25. Siwan 5781
Juni 5, 2021

Tora Lesung:
Schlach: Numeri 13:1 – 15:41

Haftara:
Joshua 2:1-24

Israel – Prüfstein seiner Einwohner

Als die Kundschafter nach Beendigung ihrer Mission zu den Israeliten zurückkehrten und ihre üble Nachrede über das Land verbreiteten, bezeichneten sie es als “ein Land, das seine Einwohner verzehrt” (4. Buch Moses 13, 32). Gerne würden wir diese Bezeichnung als erfundene Lüge abtun, doch ähnliches hebt der Prophet Jecheskel hervor (36, 13-15): “So spricht der Ewige: Weil sie zu euch (Bergen Israels) sprechen: Du verzehrst den Menschen, und deine Völker hast du hinausgeworfen. Deshalb wirst du nicht mehr Menschen verzehren und deine Völker nicht mehr hinauswerfen” Was, aber können wir unter einem Land, welches “seine Bewohner verzehrt”, verstehen?

“Denn alle diese Greueltaten verübten die Menschen im Land, welche vor euch waren, und das Land wurde unrein. So soll euch das Land nicht ausspeien, wenn ihr es verunreinigt, wie es das Volk ausgespien hat, welches vor euch war” (3. Buch Moses 18, 25-28) Die Kundschafter sagten also die Wahrheit, das Land Israel verzehrt seine Bewohner tatsächlich und speit sie aus – wenn diese sündigen und es verunreinigen. Denn dieses Land erträgt keine Sünder. Falsch war jedoch, dass diese Eigenschaft nicht einen Mangel bezeugt, sondern im Gegenteil einen Vorzug und die Heiligkeit des Landes!

Ebenso führten sie das Volk irre, indem sie es mit den riesigen mitgebrachten Früchten einschüchterten. In Wirklichkeit steht die Übergröße der Früchte für etwas Positives: “Und ihr, Berge Israels, werdet eure Zweige treiben und eure Frucht tragen, für mein Volk Israel, denn sie kommen bald” (Jecheskel 36, 8). Kurz vor Eintritt der Israeliten ins Land bereitet sich dieses auf seine Ankunft vor und wird außergewöhnlich fruchtbar! Damit zeigt es seine Bereitschaft zur Aufnahme des Volkes. Unter der Hand der Feinde hingegen wird es schnell zur unwirtlichen Einöde: “Und Ich werde das Land veröden, dass sich darob entsetzen eure Feinde, die darin wohnen.” (3. Buch Moses 26, 32)

Gehen die Israeliten ins Exil, wird das Land zur Einöde. Nähert sich aber die Erlösung des Volkes und dessen Rückkehr in sein Land, bereitet es sich vor, und seine volle Fruchtbarkeit tritt zutage. Die übergroßen Früchte wiesen also auf eine der guten Eigenschaften Israels hin, was auch das Volk im richtigen Zusammenhang erkannt hätte, wären sie nicht durch die Kundschafter beirrt worden.

Rabbiner Jaron Engelmayer (Stadttempel Wien)